Lesung von Judith Kelich-Wieser
Am Dienstag, 18. Dezember 2007 las die Autorin Judith Kelich-Wieser in der Bibliothek der WIMO aus ihrem bekannten autobiographischen Roman „Kindheit und Jugend in Südkärnten“ (Hermagoras 1997) und aus neueren Texten.

Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatten Prof. Wilhelmer (ARGE Deutsch) und Prof. Hammerschmied (Bibliothek) neben der Autorin besonders SchülerInnen der ersten bis vierten Jahrgänge. Die Besonderheit: Judith Kelich-Wieser, Jahrgang 1964, war – wie übrigens auch die bekannte Dramatikerin Silke Hassler - Schülerin unserer Schule und maturierte 1984. Nach mehr als 10 Jahren in Deutschland kehrte sie mit ihrer Tochter nach Kärnten zurück und arbeitet derzeit an ihrem dritten Buch.



Dementsprechend motiviert und bei der Sache waren die SchülerInnen nicht nur beim Zuhören, sondern auch in der anschließenden Diskussion und Fragerunde mit der Autorin. Betroffenheit lösten die Texte zu häuslichen Gewalterfahrungen („Traumatische Erfahrungen“, „Holzscheite knien“, „Mein Vater“), über Armut und Hunger („Hunger“ - den Kindern wurde einmal zu Weihnachten eine gebratene Katze als Hase vorgesetzt, sie mussten betteln gehen), die Schilderung des Mordanschlags eines Nachbarn an seine Frau („Frau Paulin“), Erinnerungen über die Aussiedelung und Ermordung von slowenisch sprechenden KärntnerInnen in der NS Zeit („Erfahrungen der Wabza im zweiten Weltkrieg“) bis hin zum Krankenhausaufenthalt der damals jugendlichen Ich-Erzählerin („Heilpädagogische Abteilung“) aus. Besonders interessierte die SchülerInnen die Beziehung der Autorin zu ihren Eltern, aber auch zu ihrer fast erwachsenen Tochter. Sie wollten wissen, wie die Autorin die vielen traumatischen Erfahrungen in Kindheit und Jugend bewältigt hat und welche Rolle das Schreiben dabei spielte und noch immer spielt.

Diese erfolgreiche Veranstaltung endete nach beinahe zwei Stunden in einer sehr dichten, nachdenklichen und von persönlicher Begegnung geprägten Atmosphäre.
Hermann Wilhelmer