Der alljährliche Brauch selbst gebastelte Kirchlein dem Vellachbach zu opfern, um die Fluten zu besänftigen, lockte die vierte Kulturtouristikklasse hinter den Schulbänken hervor. Wir besuchten das traditionelle Brauchtumsfest, das jedes Jahr am 1. Feber, dem Vorabend von Mariä Lichtmess stattfindet, um diese Tradition einmal selbst zu erleben.
Der katholische Brauch erinnert an den 40. Tag nach der Geburt Jesus, an dem männliche Neugeborene traditionell der jüdischen Glaubensgemeinde präsentiert wurden. Zugleich dürften vorchristliche Einflüsse ebenfalls eingeflossen sein, die sich in heidnischen Lichterfesten wiederfinden.

In Bad Eisenkappel verschmilzt dieser Brauch auch mit der Erinnerung an ein historisches Hochwasser aus dem Jahre 1180, welches den ganzen Ort überschwemmte und nur die Kirche Maria Dorn verschonte. Durch die Opfergaben soll seither der Ort verschont geblieben sein.

Mit der Litanei: „Ante pante popolore, kocle vrate cvilelore“ ziehen Kinder und Erwachsene am Vorabend des katholischen Gedenktages durch den Ort, bekommen vor der Kirche den Segen und gehen weiter zum Vellachbach, um die kleinen Kirchlein in die Fluten zu legen.

Der gesungene Reim, der mit lateinisch klingenden Worten beginnt und dann slowenisch endet, erinnert zum Teil an einen Satz aus dem Lukasevangelium, das bei der Kerzenweihe am Lichtmesstag gesprochen wird: „…[ ] ante faciem omnium populorum - vor dem Antlitz aller Völker“ (Luk.II 31).

Der slowenische Teil wurde scherzhaft hinzugefügt und bedeutet übersetzt: „Beim Kocel quietschen die Tore“. Wahrscheinlich geht der Reim auf eine Zeit zurück, da die Messen lateinisch gefeiert wurden und das Volk die Liturgien nicht verstand. „Ante pante popolore“ ist möglicherweise der Versuch, lateinische Liturgie nach zu ahmen.

Brigitte Magnes

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