Ausstellung - "Sucht euch nicht den leichteren Weg."

Zur Ausstellungseröffnung „Sucht Euch nicht den leichteren Weg“ vom 4.4.2019

Wir, die 3BHW, die 4CHW und SchülerInnen der 4BHW und der 4AHM, eröffnen heute gemeinsam die Ausstellung „Sucht Euch nicht den leichteren Weg“ in der WI’MO Galerie. Alles was Sie hier sehen, hat mit unserer Exkursion nach Polen im Februar 2019 zu tun. Ich bedanke mich bei den Jugendlichen, die mit großem Interesse an der Exkursion teilgenommen haben und die Vor- und Nachbereitung der Reise sehr engagiert mitgestaltet haben. Es ist eine große Freude mit Euch zu arbeiten und sich mit Euch auf die Spuren der Geschichte zu begeben.

Wir bedanken uns bei Frau FV Heidi Cas-Brunner, die die Ausstellung konzipiert hat und die mit ihrer Vorlehreklasse an der Umsetzung gearbeitet hat. Der Dank gilt ihr persönlich für die beeindruckenden Fotos, die Sie hier sehen, und dafür, dass sie eine Gruppe von SchülerInnen während der Exkursion fototechnisch betreut hat. Aus dieser Zusammenarbeit sind Konzepte für Fotobücher und fertige Fotobücher, wie dieses von Samuel Ortner, entstanden.

Bevor ich nun auf einige Aspekte der Ausstellung näher eingehe, möchte ich Frau Dr. Katja Sturm-Schnabl, Sprachwissenschaftlerin und Literaturhistorikerin, Trägerin des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich und Zeitzeugin sehr herzlich in unserer Mitte begrüßen. Herzlichen Dank, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben, bei uns zu sein.

Lassen Sie mich nun drei Themen der Ausstellung näher besprechen. Da wären diese Kieselsteine, die den Aufgang säumen, daneben die Stifte und die Glasbehälter. Wir wissen, dass auf jüdischen Friedhöfen keine Blumen gepflanzt oder hingestellt werden, dass die Besucherinnen und Besucher Steine auf die Gräber der verstorbenen Verwandten legen. So werden immer wieder neue Steine dazugelegt, um den Schutz zu erneuern, um sich vor den Toten zu verneigen, um eine symbolische Geste zu setzen „Auch ich war hier!“, um etwas von sich zurückzulassen. Es ist ein stummer Dialog zwischen dem Leben und dem Vergangenen. Die Steine sind symbolisch dazu da, ein Haus des Lebens im Jenseits zu bauen. Steine sind nicht vergänglich, sie haben etwas Ewiges. Letztendlich sind die Steine auf den Gräbern der jüdischen Menschen ein Zeichen für die Aufmerksamkeit ihrer Besucherinnen und Besucher.

In dieser Ausstellung sind die kleinen Steine ein interaktives Element, um die Gemeinschaft zu stärken. Einige sind schon mit gutem Beispiel vorangegangen. Man schreibt einen Begriff, einen guten Gedanken, etwas, was die Gemeinschaft, unsere Gemeinschaft, stärken soll auf die Steine und gibt sie in die Glasbehälter. Wir können uns mit unseren Worten, Begriffen, die wir hier beitragen, auch auf die Eindrücke aus der Ausstellung beziehen, unseren Beitrag zum Erinnern und Gedenken an die Opfer des Holocaust verschriftlichen und hier teilen. Hier befinden sich auch die Texte unserer SchülerInnen an die Zeitzeugin Helga Pollak-Kinski.

Ich komme zur Collage am Fuße der Ausstellung: Dieser Collage liegen dieselben Fotos zugrunde, wie Sie sie hier an den Wänden sehen. Sie entdecken auch comicartige Figuren und erkennen Protagonisten der Weltpolitik. Sie stellen sich prominent in den Vordergrund und überdecken damit die bearbeiteten Schichten der Fotos des Memorial Auschwitz. Was haben diese mächtigen politischen Akteure aus der Vergangenheit gelernt? Welche Krisen sind durch ihr Handeln weltweit entstanden? Wie aus einem verzerrten Comic benehmen sich Besucher mitunter im Memorial Auschwitz-Birkenau. Warum sind sie dort? Die Collage fungiert damit als Zerr- und Spiegelbild der Fotos in der Hauptausstellung.

Nun zu den Fotos aus der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau: über Auschwitz ist so viel publiziert, recherchiert und gesagt worden, alles Versuche, das Unaussprechliche zu begreifen. Als Besucherin/Besucher im Memorial ist man heute mit der Musealisierung der Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers konfrontiert: während einer Führung versucht man Anknüpfungspunkte zu suchen, zu verstehen und man wird bei jedem Gedanken zurückgeworfen, man versteht nichts. Man kann sich das ultimative Böse, die Massenvernichtung nicht vorstellen. Deshalb laden diese Fotos, diese verschwommenen Bilder dazu ein innezuhalten, sie ziehen unseren Blick hinein, sie fordern uns auf, uns selbst einzubringen und zu beginnen, nachzudenken - NACH ZU DENKEN. Wir sind dazu aufgefordert, uns einzubringen, die Linse schärfer zu stellen, das heißt für uns hier in dieser Schule, uns zu informieren, nachzuforschen, uns mit dem Thema zu beschäftigen. Wir haben den Auftrag, eine klarere Sicht auf die Geschichte zu erarbeiten.

Hermann Langbein, der der Widerstandsbewegung in Auschwitz-Birkenau angehörte und von dem wir das Motto für diese Ausstellung übernommen haben, legt der jungen Generation folgendes ans Herz:

Die Massenmorde waren (…) möglich, weil man die Menschen, vor allem die jungen Menschen, damals lehrte – Du musst in jedem Fall deinen Vorgesetzten, deinem Führer blind gehorchen! Es ist immer leicht zu gehorchen, jemanden zu folgen. Denn wenn es schief geht, kann man sich ausreden – Was kann ich dafür! Der und der hat es gesagt! Das ist billig, leicht. Sucht Euch nicht den leichteren Weg!“ 1
Ilse Geson-Gombos

1 Horsky Monika (Hg.): Man muss darüber reden. Schüler fragen KZ-Häftlinge, Dokumente – Berichte – Analysen, Ephelant Verlag, Wien 1988

Text - Lukas Lesiak

Text - Meryem Amet

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