WEGBEREITERINNEN der Republik

Rosa Jochmann und Grete Rehor

Anlässlich des Weltfrauentags 2021 haben sich Angelika Girstmair, 4 AHM und Nina Moser, 2 CHW in Briefform mit zwei Wegbereiterinnen der Republik auseinandergesetzt.

 

Sehr geehrte Frau Jochmann,

ich kann mir kaum vorstellen, wie viel eine Frau wie Sie in ihrem Leben durchmachen musste. Ich bewundere Ihre Arbeit und Ihren Einsatz für die Gesellschaft und wünsche mir für die Zukunft, dass Ihre Ziele und Ambitionen in unserer Gesellschaft weiterleben. Dass Sie sich durch den frühen Verlust Ihrer Mutter und die Ungerechtigkeiten, die Ihnen widerfuhren, nie entmutigen ließen und sich immer für Recht und Gerechtigkeit eingesetzt haben, berührt mich sehr.

Wie Sie die Zeit im Konzentrationslager Ravensbrück beschreiben, lässt erahnen, wie stark Sie sein mussten. Eindrücklich sind ihre Worte zur Bunkerhaft im Lager: „Ich habe die Kraft gehabt nicht zu zeigen, welche Angst ich hatte, aber ich hatte immer Angst. Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es selbst nicht glauben.“ Danke dafür, dass Sie Ihre Erfahrungen an viele Jugendliche weitergegeben haben.

Ich bin beeindruckt, wie Sie nach den vielen Jahren nie aufgehört haben für Gerechtigkeit zu kämpfen und uns Frauen zu unterstützen. Dass Sie gesagt haben, „Verzeihen ja, vergessen nie“ zeigt Ihre Stärke. Ich weiß, wie wichtig es Ihnen ist, dass die Jugend stets im Geiste der Demokratie erzogen werden soll und ich schätze Ihre Aufklärungsarbeit sehr.

Egal wie alt wir sind, oder woher wir kommen, wir sollten uns alle kritisch gegenüber der Politik zeigen und, wie Sie sagten, uns zu Wort melden, wenn die Demokratie in Gefahr ist: „Schweigt nicht! Wenn Dinge gesagt werden, die sich darauf berufen, dass ein starker Mann kommen soll, schweigt nicht! Wer schweigt, der stimmt zu.“

Vielen Dank für Ihre Taten Rosa Jochmann.

Angelika Girstmair

Rosa Jochmann: 1901-1994

Arbeiterin in einer Süßwarenfabrik in Wien, danach kriegsdienstleistungsverpflichtete Arbeiterin,

in den 1920er und 30er Jahren Arbeiterin, Betriebsrätin, Gewerkschaftssekretärin, Mitglied der Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP), 1939 Verhaftung, 1940-1945 KZ Ravensbrück mit sechsmonatiger Dunkelhaft: Essensentzug und Zwangsarbeit im Industrieblock, nach 1945 Abgeordnete zum Nationalrat, 1959 SPÖ-Frauenvorsitzende. Vermittlungsarbeit als Zeitzeugin.

Sehr geehrte Frau Rehor,

ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass sie sich unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1949 schon so sehr für die Frauenrechte eingesetzt haben. Sie haben mit Ihrem Einsatz und Ihrer Arbeit das Leben für uns Frauen um vieles leichter gemacht.

Ich bewundere sie auch dafür, dass Sie den Mut aufgebracht haben, für uns Frauen zu kämpfen, denn jeder weiß, wie Frauen zu jener Zeit behandelt wurden. Sehr beeindruckt hat mich, dass Sie die erste Ministerin Österreichs waren. Nicht nur das, Sie waren auch eine der engagiertesten Sozialpolitikerinnen der zweiten Republik.

Mir ist auch zu Ohren gekommen, dass man nach Ihrer Arbeit die Frauen nicht mehr aus der Politik wegdenken konnte. Laut meiner Quelle ist Ihr Charakter auch etwas zurückhaltend gewesen, aber trotzdem beeindruckten Sie durch große Zielstrebigkeit.

Am besten gefällt mir an Ihnen, dass sie ihr Ziele konsequent verfolgt haben. Ihr Mut, sich mit den Männern in Ihrem Kabinett sachpolitisch auseinanderzusetzen, hinterlässt einen tiefen Eindruck bei mir. Ihnen verdanken wir auch die Revolution im Kündigungsrecht während und nach einer Karenzzeit.

Trotz mehrerer Schicksalsschläge, wie dem Nichtauffinden ihres Vaters nach dem 1. Weltkrieg, dem Tod Ihrer Mutter als Sie 19 Jahre alt waren oder dem Tod Ihres Ehemannes, der im 2. Weltkrieg in Stalingrad fiel, haben Sie nie aufgegeben, im Gegenteil, diese Schicksalsschläge haben Ihre Haltung, sich für Menschen einzusetzen, noch weiter bestärkt.

Zum Schluß möchte ich mich nochmals für Ihr Wirken bedanken. Es gibt uns Frauen auch in der heutigen Zeit den Mut und die Kraft, uns immer wieder für die Gerechtigkeit in der Arbeitswelt einzusetzen.

Hochachtungsvoll

Nina Moser

Grete Rehor 1910-1987

Textilarbeiterin, Handelsschule, gewerkschaftliche Tätigkeit, nach 1945 für die Gewerkschaft der Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter, 1948 Bundesvorsitzende der Fraktion Christlicher Gewerkschafter, 1966-1970 Sozialministerin, Verabschiedung von mehr als 100 Sozialgesetzen u.a.  Arbeitsmarktförderungsgesetz, Hausbesorgergesetz, Lebensmittelgesetz. Das Sozialbudget stieg von 1965 bis 1970 um 66 %.

 

für die ARGE GUPB: Ilse Geson-Gombos

Zurück