Musicalbühne und touristische Orte: Den Habsburgern auf der Spur
„Meine For You Page auf TikTok ist jetzt voll mit Szenen aus dem Musical“, berichtete ein Schülerin am Tag der Rückreise – in einer von Social Media mitgeprägten Welt ein Indikator dafür, dass die Erlebnisse intensive Eindrücke hinterlassen haben. Der Kontext? Eine Gruppe der dritten Jahrgänge der Höheren Wirtschaft setzt sich im Open Skills Lab im laufenden Schuljahr mit den Habsburgern auseinander. Erkundet wird dabei die historisch-kulturelle Bedeutung des einstigen Herrscherhauses ebenso wie die wirtschaftlich-touristische Strahlkraft, die die Orte und Figuren der Geschichte heute besitzen.
Als vorläufiger Höhepunkt des Projektjahres ging es für die Gruppe nun gemeinsam mit den Projektleiter*innen Prof. Martin Erian und Prof. Kerstin Maierhofer in die einstige Residenzstadt Wien. Herausragend: Am Freitagabend besuchte die Gruppen das Musical Maria Theresia, das seit der Premiere im Herbst für ausverkaufte Ränge sorgt.
Das rasante Schauspiel sorgte im Ronacher für Standing Ovations und kam auch bei den Schüler*innen sehr gut an. Nicole Rauter: „Es war eine tolle Leistung der Darstellerinnen. Mich hat Friedrich II. von Preußen besonders beeindruckt.“ Sophie-Marie Ranner war ebenfalls angetan: „Ich war erstaunt, dass einige Darsteller gleich mehrere Rollen verkörpert haben.“ „Die Choreografie, das Bühnenbild, die Musik, die gesangliche Leistung – es war ein tolles Erlebnis“, bestätigt auch Nelly Tojka.
Auf den Spuren früherer Kaiser und ihrer touristischen Verwertung
Den Samstag nutzte die Gruppe bei – wie sollte es anders sein? – Kaiserwetter, um unter anderem die Kapuzinergruft sowie die Prunkräume des Schlosses Schönbrunn zu besichtigen. Ein Augenmerk lag dabei stets auf der Frage, welche Themen bei Tourist*innen besonders auf Neugier stoßen, wie etwa der Sarg des früheren mexikanischen Kaisers Maximilian, der einen Pilgerort für viele Mittelamerikaner*innen darstellt, oder die Grabstätte seiner Schwägerin, Sisi. Rauter: „Es war aber auch interessant, mit welcher Symbolik die Särge gestaltet wurden und wie früh verstorbene Kinder ihren Platz gefunden haben.“
Im Schloss Schönbrunn besichtigte die Gruppe einen Teil der 1.441 Räume, darunter die Große Galerie, ein Festsaal, der von Maria Theresia und Franz Joseph ebenso für politische und gesellschaftliche Anlässe genutzt wurde wie später von John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow. Anna-Lena Kainz: „Ich fand es im Schloss Schönbrunn sehr angenehm, mit dem digitalen Audioguide selbst entscheiden zu können, was man sich genauer anschaut und was nicht. Ich könnte mir einen guten Eindruck verschaffen.“
Nach der Führung warf die Gruppe aber auch einen kritischen Blick darauf, welche Waren den Tourist*innen aus der ganzen Welt geboten werden, vor allem mit dem Gesicht von Kaiserin Sisi. Prof. Erian: „Die Palette reicht von Schlüsselanhängern über Fächer und Servietten bis hin zu Schnee-, Christbaum- und Badekugeln oder auch Sisi-Feilen. Ein besonders schönes Beispiel dafür, dass historische Fakten bei kommerziellen Produkten nur teilweise eine Rolle spielen, wurde Erzherzogin Elisabeth doch mit einer Feile erstochen.“
Forschungsarbeiten in der Metropole
Doch nicht nur touristische Orte wurden besichtigt, die Schüler*innen führten auch im Unterricht begonnene Forschungsarbeiten fort. Mithilfe von Fragebögen untersuchten sie, wie die einstige Monarchie heute wahrgenommen wird und welche Bedeutung Kultur für Tourist*innen besitzt. Prof. Maierhofer erklärt: „Ausgehend von unterschiedlichen Hypothesen entwickelten sie in Kleingruppen Fragebögen. Nun galt es, von unterschiedlichen Zielgruppen Antworten einzuholen.“
Dafür befragten die Jugendlichen vor Ort Wiener*innen wie auch Tourist*innen, ob am Stephansplatz, am Graben, in der Mariahilfer Straße oder vor dem Schloss Schönbrunn – durchaus eine Herausforderung.
„Am Anfang war es schon eine Überwindung, Menschen anzusprechen und dazu zu bringen, unsere Befragung auszufüllen. Aber es ist uns gelungen“, berichtet Emily Kalt. Interviewt wurde ein spannender Querschnitt, darunter Fiaker-Kutscher, Blumenverkäuferinnen oder Tourist*innen. Sarah Mokina: „Mit einem freundlichen Lächeln haben wir uns die Unterstützung der Menschen gesichert.“
Die Ergebnisse werden demnächst im Unterricht aufgearbeitet. Auf die abschließende Präsentation Anfang Mai darf man jedenfalls bereits jetzt gespannt sein …













