Die Lehrpläne bilden den wesentlichen Rahmen für jene Inhalte, mit denen sich Österreichs Schüler*innen Tag für Tag im Unterricht beschäftigen. Sie dienen als Wegweiser, lassen Lehrkräften aber auch immer wieder größere Spielräume, um auf die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen Rücksicht zu nehmen. Und: Im Schnitt alle zehn Jahre werden sie weiterentwickelt, um veränderten Herausforderungen gerecht zu werden.
Derzeit befinden sich auch die Lehrpläne der humanberuflichen Schulen in einer solchen Phase der Überarbeitung; sie sollen voraussichtlich zum Schuljahr 2028/29 in Kraft treten. Wesentliche Ideenlieferanten für die Arbeit der Expert*innengruppen: Lehrkräfte und Schüler*innen. In fünf Design Jams quer durch Österreich wurden sie aufgefordert, Ideen zu entwickeln, wie künftig gesellschaftliche Herausforderungen – etwa Fragen rund um kulturelle Konflikte, Nachhaltigkeit oder Künstliche Intelligenz – ihren Weg in den Unterricht finden können. In Graz heute mit dabei: WI’MO-Direktorin Michaela Graßler, Prof. Victoria Engelhardt und Prof. Martin Erian sowie Loes Klaassen und Romina Schest (beide 5BHW).
Gemeinsam mit rund achtzig Vertreter*innen unterschiedlicher Schulstandorte in Kärnten und der Steiermark wurden in bunt zusammengewürfelten Kleingruppen zunächst die Rahmenbedingungen abgesteckt: Welche Räumlichkeiten benötigt Schule heute? Wie kann der Tagesablauf strukturiert werden? Welche Bedeutung sollen gesellschaftliche Umbrüche und technologische Innovationen als Themen im Unterricht besitzen? Wie sollen Lernende und Lehrende ihre Rollen künftig interpretieren?
Angeleitet wurde der Prozess vom erfahrenen Transformationscoach Helga Mayr (über:morgen. Atelier für Zukunftsgestaltung). „Nach der Diskussion, unter welchen Rahmenbedingungen wir uns einen idealen Schulalltag vorstellen können, ging es darum, aus konkreten Szenarien Unterrichtsmodelle zu entwickeln und zur Diskussion zu stellen. Dabei ging es um Fragen, wie man noch besser Talente fördern, kulturelle Vielfalt nutzen oder Zukunftsängste in Hoffnung umwandeln kann“, erklärt Graßler.
Vom Protoyp zum neuen Fach: Viel Lob für Ansätze der WI’MO-Abordnung
Schüler*innen und Lehrer*innen entwickelten gemeinsam erste Prototypen dafür, wie verschiedene Themen im Unterricht Berücksichtigung finden können, als temporäre Projekte oder auch als fixer Bestandteil künftiger Unterrichtsgegenstände. Diese Überlegungen wurden in Onlineschaltungen externen Expert*innen vorgestellt, im Falle von Klaassen und Schest sowie ihrer Mitstreiterin Johanna von der HLW Schrödinger aus Graz waren dies Umweltpädagogin Sabine Baumer (Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark) und Unternehmensberaterin Rita Helena Sohm (IDG Kärnten Bildung und Business Network).
Erian: „Die Expertinnen waren nicht nur vom gewählten Ansatz sehr angetan, sondern auch von der Tiefe, mit der wir mögliche Themenfelder für den Unterricht beleuchtet haben. Der Austausch war konstruktiv und enorm wertschätzend.“ Auch WI’MO-Schulsprecherin Romina Schest zog positiv Bilanz: „In unserer Gruppe haben wir die Idee eines Mutmachertages entwickelt, an dem verschiedene Workshops zu Themen wie beispielsweise KI, Social Media oder auch Berufsmöglichkeiten angeboten werden können. Heute wurde auf jeden Fall klar, dass man mit einfachen Ideen tolle Projekte auf die Beine stellen kann.“
Ebenfalls erfreulich: Nicht nur künftige Lehrpläne sollen von den entwickelten Ideen profitieren, vieles kann auch schon jetzt Berücksichtigung finden. Victoria Engelhardt unterrichtet selbst im Open Skills Lab der WI’MO und nimmt viele Dinge bereits im Alltag wahr: „Wir können mit unseren Projekten zukunftsorientiert arbeiten und sehr viel Aktualität in den Unterricht bringen. Auch spielt erfolgreiches Projektmanagement schon jetzt eine große Rolle für unsere Schüler*innen. Die Überlegungen zum neuen Lehrplan bestätigen unseren Weg.“







